Navigate to Energieforschung Zürich

Navigation

Die sechs Schwerpunkte

Mobilität

Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft können in der Mobilität primär durch eine Reduktion der Fahrleistungen, die Wahl ökologischer Verkehrsmittel (zum Beispiel zu Fuss gehen, Velo, öffentlicher Verkehr) sowie die Nutzung energieeffizienter Fahrzeuge erreicht werden.

Hinweis

Hinweis: dieses Kapitel wird nach Abschluss der Projekte Entscheidungsverhalten Elektrofahrzeuge FP-1.26 und Wirkung Sharing-Angebote Langsamverkehr FP-1.27 finalisiert.

Hintergrund

Transformation zu einer CO2-freien Mobilität

Die Mobilität ist für rund 14% des Primärenergiebedarfs und der Treibhausgasemissionen des Konsums in der Stadt Zürich verantwortlich (Grundlagen und Reduktionspotenziale FP-1.1). Um die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft sowie die verkehrs- und klimapolitischen Ziele der Stadt Zürich zu erreichen, ist die Reduktion des Energieverbrauchs der Mobilität zwingend. Anzustreben ist eine längerfristige Transformation hin zu einer CO2-freien Mobilität.

Fokus Energieforschung Stadt Zürich

Energieforschung Stadt Zürich fokussierte im Schwerpunkt Mobilität auf Massnahmen zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs (MIV) sowie zur Förderung autoloser Haushalte und von Elektrofahrzeugen. Zudem wurden die Wirkungen von Sharing-Angeboten im Langsamverkehr untersucht. Verschiedene weitere Projekte lieferten Erkenntnisse zu den Reduktionspotenzialen, den Hemmnissen und möglichen Instrumenten.

Haupterkenntnisse

Haupterkenntnisse Mobilität

Allgemeine Erkenntnisse

Aus der Interventionsforschung ergeben sich verschiedene Hinweise zur Konzeption von Interventionen bei der Mobilität:

  • Da bei der Mobilität Hemmnisse auf verschiedenen Ebenen (Wollen, Können, Tun) bestehen (vgl. Hemmnisse), empfiehlt sich eine Kombination von Instrumenten, die gezielt auf diese Hemmnisse ausgerichtet sind.
  • Um die Motivation der Angesprochenen zu erhöhen, sollte das Verhalten anderer Personen und Organisationen wie zum Beispiel Verwaltungen oder Unternehmen sichtbar gemacht werden. Dabei sollte die Botschaft vermittelt werden, dass viele Einzelpersonen und Organisationen aktiv sind und dass die Summe einzelner Aktivitäten zum Ziel führen.
  • Die Vermittlung von Handlungswissen ist als alleiniges Instrument nicht erfolgreich. Jedoch kann die Wissensvermittlung begleitend eingesetzt werden. Dabei sollten die Informationen auf die jeweils angesprochene Zielgruppe ausgerichtet vermittelt werden. Insbesondere sollten sie an die Alltagssituation der Angesprochenen anknüpfen und gezielt Handlungswissen vermitteln.
  • Selbstverpflichtungen wurden im Mobilitätsbereich erfolgreich getestet. Sie schaffen eine Spannung zwischen Einstellung und Verhalten und können zu Verhaltensänderungen führen, die nach der Intervention bestehen bleiben. Selbstverpflichtungen setzen jedoch voraus, dass die Zielpersonen eine bestimmte Handlung ausführen wollen und auch können. Und schliesslich sollten Selbstverpflichtungen mit einer Zielsetzung und Verhaltensfeedback kombiniert werden.
  • Gewohnheiten lassen sich am ehesten ändern, wenn Interventionen im Zeitraum vor planbaren Lebensumbrüchen erfolgen – also zum Beispiel, wenn sich die Zusammensetzung eines Haushalts ändert oder bei einem Wechsel des Wohnorts. In Momenten solcher Veränderungen beurteilen Menschen immer auch ihr Verhalten neu. Zum Beispiel werden bei einem Wohnungswechsel auch wichtige mobilitätsbezogene Entscheide getroffen. Ausschlaggebend sind dabei verschiedene, mit der Mobilität zusammenhängende Nutzen: beispielsweise eine Zeitersparnis dank kürzerer Wege, gewonnene Flexibilität oder Aspekte der Gesundheit. Seltener spielen energiebezogene Überlegungen eine Rolle. Dementsprechend wären in der Phase vor dem Umzug Informationen zum Angebot des öffentlichen Verkehrs, zu Sharing-Angeboten für MIV und Langsamverkehr, zu Velo-Lieferservices und Ähnlichem wichtig. In dieser Phase kann mit bedarfsgerechten Interventionen Einfluss genommen werden – also etwa mit Information und Beratung oder der Abgabe von Gutscheinen. Dass zum Beispiel Gratis-Probetickets für den öffentlichen Verkehr für Zuzüger/innen eine Wirkung haben, ist empirisch bestätigt, und diese Massnahme wird in der Praxis bereits häufig umgesetzt.

Reduktion von Auto-Kilometern

Hinsichtlich der Reduktion von gefahrenen Auto-Kilometern erbrachte ein Projekt folgende Erkenntnisse:

  • Das Verteilen von Mobilitätsmappen zur Bekanntmachung von Mobilitätsangeboten und Mobilitätsmöglichkeiten ist grundsätzlich sinnvoll. Jedoch sollte diese Mappe möglichst gezielt verteilt werden, beispielsweise bei der Einführung neuer Mobilitätsangebote in einem Quartier oder an Personen, welche die Angebote noch nicht kennen – also zum Beispiel an Zuzüger/innen.
  • Es sollte überlegt werden, wie die im Vergleich zum Auto wahrgenommenen relativen Nachteile der öffentlichen Verkehrsmittel und des Fuss- sowie Veloverkehrs vermindert respektive die positiven Nebeneffekte betont werden können. Also zum Beispiel: Wie sind die eingeschränkte Flexibilität und Unabhängigkeit bei der Nutzung des öffentlichen Verkehrs und der geringere Komfort des Langsamverkehrs gegen die Zeit abzuwägen, die man bei der Fahrt im öffentlichen Verkehr anders nutzen kann, oder die positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Fitness im Langsamverkehr. Solche Aspekte sollten in der Kommunikation verstärkt hervorgehoben werden. Entsprechende Angebote wie etwa der Tür-zu-Tür-Transport von Gepäck könnten stärker kommuniziert werden.

Erkenntnisse zu autolosen Haushalten

Das Projekt Autolose Haushalte in der Stadt Zürich FP-1.25 zeigt, dass in der Stadt Zürich 53% der Haushalte kein Auto besitzen – davon rund die Hälfte freiwillig. Die freiwillig Autolosen sind im Vergleich zu Autohalter/innen eher weiblich, jünger, besser gebildet und haben häufiger Kinder. Bemerkenswert ist, dass bei 40% der Autohalter/innen ein Potenzial zum Umstieg zur Autolosigkeit besteht. Diese Autohalter/innen haben sich bereits mehr oder weniger konkret überlegt, auf ein Auto zu verzichten. Es konnten drei Typen von freiwillig Autolosen identifiziert werden:

  • Die Nutzenorientierten (37%): Für sie bedeutet die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Vergleich zur Nutzung eines Autos eine deutlich höhere Unabhängigkeit und Flexibilität.
  • Die Wertorientierten (43%): Ihr Verzicht auf ein Auto ist durch Umweltargumente motiviert.
  • Die Peer-Group-Orientierten (20%): Sie richten sich am stärksten an ihnen nahestehenden Personen.

Gründe für freiwillige Autolosigkeit

Allen gemeinsam und damit der wichtigste Grund für die freiwillige Autolosigkeit ist eine möglichst positive Einschätzung des Nutzens der autolosen Mobilität. Je flexibler, unabhängiger, bequemer und erlebnisreicher jemand die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel einschätzt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie auf ein Auto verzichtet (vgl. folgende Abbildung). Weitere wichtige Faktoren für die Autolosigkeit sind die fehlende Verfügbarkeit individueller, nicht öffentlicher Parkplätze am Wohn- oder Arbeitsort, die Anzahl biografischer Bruchstellen wie Wohnungswechsel oder Stellenwechsel, eine gefühlte Verpflichtung, wenn immer möglich auf die Autonutzung zu verzichten sowie die über alles geringeren Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel im Vergleich zum Auto. Je mehr dieser Faktoren man mit Interventionen im Sinne der Autolosigkeit beeinflussen und verändern kann, desto mehr Personen werden voraussichtlich auf ein Auto verzichten.

Wahrscheinlichkeit der freiwilligen Autolosigkeit in Abhängigkeit der Einschätzung des Nutzens des öffentlichen Verkehrs im Vergleich zum Auto (Autolose Haushalte in der Stadt Zürich FP-1.25).

Abbildung vergrössern

Verhaltensänderungen bei freiwilliger Autolosigkeit

Die Autolosigkeit führt zu deutlichen Verhaltensänderungen in der Mobilität (vgl. Abbildung 22): 78% der befragten freiwillig Autolosen, die einmal in einem Haushalt mit Auto gewohnt haben, nutzen das Auto im Alltag weniger, drei Viertel davon deutlich weniger. Kompensiert wird dies durch eine häufigere Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und des Velos. Interessant ist, dass 47% der Befragten angeben, dass sie auch weniger fliegen seitdem sie auf ein eigenes Auto verzichten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Autolosigkeit zu einer deutlichen Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen führen. Ein Rebound-Effekt ist nicht zu beobachten – die Befragten legitimieren sich also durch ihre Autolosigkeit nicht ein «Recht», vermehrt zu fliegen.

Verhaltensänderungen seit der Autolosigkeit von Personen, die einmal in einem Haushalt mit Auto gewohnt haben (Autolose Haushalte in der Stadt Zürich FP-1.25).

Abbildung vergrössern

Erkenntnisse zu Entscheidungsverhalten beim Kauf von Elektrofahrzeugen

Wird bei Vorliegen der Ergebnisse zu Entscheidungsverhalten Elektrofahrzeuge FP-1.26 ergänzt.

Erkenntnisse zu Sharing-Angeboten im Langsamverkehr

Wird bei Vorliegen der Ergebnisse zu Wirkung Sharing-Angebote Langsamverkehr FP-1.27 ergänzt.

Empfehlungen

Empfehlungen: Mobilität

Zur Förderung des Verzichts auf ein eigenes Auto, der Elektromobilität und von Sharing-Angeboten im Langsamverkehr lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

Empfehlungen: Mobilität

Flexibilität der autolosen Mobilität erhöhen.

Es sollten in erster Linie die Flexibilität der autolosen Mobilität und deren Unabhängigkeit von Fahrplänen, Umsteigevorgängen, Ticketsystemen und Ähnlichem erhöht werden. Dazu sind mehrere Massnahmen zu empfehlen: Steigerung der Qualität des öffentlichen Verkehrs, Ermöglichung eines flexiblen Car-Sharings, Förderung des autoarmen Wohnens und Unterstützung massgeschneiderter «Mobility as a Service»-Angebote wie sie zum Beispiel integrale Buchungsplattformen bieten. Unterstützend wirken dabei eine restriktive Parkplatzpolitik etwa durch höhere Parkgebühren, der Ausbau der Velo- und Fusswege sowie eine auf die förderlichen Faktoren abgestimmte Kommunikationsstrategie die Autolosigkeit.

Weitere Empfehlungen werden nach Abschluss der Projekte Entscheidungsverhalten Elektrofahrzeuge FP-1.26 und Wirkung Sharing-Angebote Langsamverkehr FP-1.27 ergänzt.

Projekte

Beispielprojekt: Mobilität