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Grundlagen

Hemmnisse

Hemmnisse für eine Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen

Das Wollen-Können-Tun-Modell wird im Folgenden auf die Mobilität, das Wohnen und die Ernährung angewendet, um entsprechende Hemmnisse zu identifizieren. Beim Wohnen wird die Perspektive der Nutzer/innen von jener der Eigentümerschaften unterschieden. Dadurch wird den verschiedenen Handlungsspielräumen dieser beiden Akteure Rechnung getragen.

Mobilität

Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft können in der Mobilität primär durch eine Reduktion der Fahrleistungen, die Wahl ökologischer Verkehrsmittel (zum Beispiel zu Fuss gehen, Velo, öffentlicher Verkehr) sowie die Nutzung energieeffizienter Fahrzeuge erreicht werden.

Hemmnisse bei der Mobilität.

Abbildung Hemmnisse Mobilität anschauen

Die Haupthemmnisse bei der Umsetzung einer umweltfreundlichen Mobilität betreffen vor allem das Wollen, aber auch das Können und das Tun:

Hemmnisse Mobilität

Wollen

Flexibilität in der Nutzung, die Unabhängigkeit und der Komfort sind Vorteile des Autos, die dieses Verkehrsmittel erfolgreich machen. Demgegenüber ist es schwierig, die Vorteile anderer Verkehrsmittel so zu positionieren, dass sie aufgrund einer individuellen Kosten-Nutzen-Rechnung gewählt werden. Autos haben in der Stadt Zürich eine hohe Sichtbarkeit. Dadurch entsteht eine soziale Norm, die insbesondere bei Familien und für Freizeitzwecke das Auto als bestes Verkehrsmittel erscheinen lässt. Viele Personen sind der Ansicht, dass es nicht viel bringt, wenn sie als Individuum auf das Auto verzichten – es wird also eine geringe Selbsteffizienz wahrgenommen. Zudem fragen sich diese Personen, weshalb gerade sie auf die Nutzung des Autos verzichten sollen – Verantwortung wird abgeschoben.

Können

Beim Mobilitätsverhalten kann auch der Handlungsspielraum ein wichtiges Hemmnis sein. Die vorhandene eigene Infrastruktur wie beispielsweise ein eigenes Auto oder ein eigenes E-Bike prägt das Mobilitätsverhalten stark. Auch die städtische Infrastruktur ist entscheidend: Während die Rahmenbedingungen zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Zürich sehr gut sind, ist die Infrastruktur zur Nutzung des Velos im Vergleich zu anderen Städten weniger gut. Solche Hemmnisse könnten mit durchgehenden, sicheren Velorouten und attraktiven, zentral gelegenen Veloabstellplätzen abgebaut werden.

Tun

Das Mobilitätsverhalten ist stark von Gewohnheiten geprägt. Diese Gewohnheiten sind ein weiteres Hemmnis, das es zu überwinden gilt. Hier bieten Änderungen des Kontexts – beispielsweise ein Umzug oder eine neue Arbeitsstelle – eine Chance, solche Gewohnheiten zu verändern.

Ernährung

Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in der Ernährung können primär durch die Wahl ressourcenschonender Lebensmittel (vegetarisch, saisonal, lokal) erreicht werden.

Hemmnisse bei der Ernährung.

Abbildung Hemmnisse Ernährung anschauen

Die Haupthemmnisse bei der Umsetzung einer nachhaltigen Ernährung betreffen das Wollen:

Hemmnisse Ernährung

Wollen

Die Wahl der Nahrungsmittel erfolgt auf der Grundlage von Werthaltungen und kulturellen Vorstellungen und ist in der Regel in einen sozialen Kontext eingebunden. Insbesondere ist es kulturell verankert, dass Fleisch ein zentraler Bestandteil eines traditionellen Menüs ist. Die damit verbundenen Umweltbelastungen waren bis vor wenigen Jahren grossen Teilen der Bevölkerung nicht bekannt – diese Tatsache dürfte sich durch die rege Berichterstattung rund um das Thema Klima seit dem Jahr 2019 schrittweise verändern. Zudem ist die Wahl der Nahrungsmittel stark durch Argumente aus dem Bereich Gesundheit geprägt.

Können

Auch auf Ebene des Könnens sind verschiedene Hemmnisse angesiedelt: Bei gleicher Qualität verschiedener Nahrungsmittel können der Preis beziehungsweise die finanziellen Möglichkeiten der Konsumenten/innen eine entscheidende Rolle spielen. Weiter sind gerade in Restaurants und Kantinen nicht immer attraktive fleischlose beziehungsweise vegetarische oder vegane Menüs erhältlich. Ein wesentlicher weiterer Aspekt sind Unsicherheiten auf Seiten der Konsumenten/innen, welche Labels beim Lebensmitteleinkauf beachtet werden sollten.

Tun

Verschiedene Praktiken rund um die Ernährung, wie das Einkaufen, die Gestaltung der Menüs, die Zubereitung der Speisen und die Menüwahl bei auswärtigem Essen, sind stark von Gewohnheiten geprägt. Daher besteht ein weiteres Hemmnis bei der Umsetzung einer nachhaltigeren Ernährung darin, solche Gewohnheiten zu brechen und neu zu setzen.

Wohnen: Perspektive Eigentümerschaften und Gebäude

Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft beim Wohnen zu erreichen, liegt primär in der Kompetenz der Eigentümer/innen, indem sie den Energiebedarf der Gebäude reduzieren, Photovoltaik-Strom am Gebäude produzieren und sich für eine energieeffiziente und CO2-freie Wärmeversorgung entscheiden.

Hemmnisse beim Wohnen, Perspektive Eigentümerschaften.

Abbildung Hemmnisse Wohnen anschauen

Die Haupthemmnisse bei der Umsetzung von ressourcenschonendem Wohnen aus Perspektive der Eigentümerschaften betrifft sowohl das Wollen wie das Können:

Hemmnisse beim Wohnen, Perspektive Eigentümerschaften

Wollen

Auf Ebene des Wollens können sich die Ziele und Strategien von Eigentümern/innen auf deren Erneuerungstätigkeiten sowohl fördernd als auch hemmend auswirken. Entscheidend ist, wie ihre Motive gerichtet sind. Misst man beispielsweise bei einem Mehrfamilienhaus der Werterhaltung grosse Bedeutung zu, fördert dies den Erneuerungsprozess. Stellt man hingegen die Nutzung aller Bauteile bis zu deren Lebensende ins Zentrum, wird ein Mehrfamilienhaus möglichst lange zum bestmöglichen Mietzins vermietet, und es erfolgt nur eine minimale Instandhaltung.

Können

Auf der Ebene des Könnens beeinflussen verschiedene Aspekte die Fähigkeiten der Gebäudeeigentümerschaften zur Gebäudesanierung. Einerseits spielen deren verfügbare finanziellen, zeitlichen und personellen Ressourcen eine Rolle sowie das verfügbare Know-how im Bereich Gebäudeerneuerung. Auch Eigenschaften des Wohnobjektes selbst erleichtern oder erschweren der Eigentümerschaft eine Erneuerung: insbesondere der Zustand des Gebäudes, die Lage und die Nachfragekompatibilität. Weiter wird der Handlungsspielraum von Gebäudeeigentümerschaften durch rechtliche Rahmenbedingungen, Informations- und Beratungsangebote sowie finanzielle Anreize und andere Fördermassnahmen beeinflusst. Schliesslich ist die Verfügbarkeit von Fernwärme oder Wärmeverbünden entscheidend, ob bei einem Heizungsersatz statt einer fossilen Feuerung eine erneuerbare Variante gewählt wird.

Wohnen: Perspektive Nutzer/innen

Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft beim Wohnen können im Handlungsbereich der Nutzer/innen – also der Mieter/innen – primär durch die Reduktion des Energiebedarfs sowie die Wahl erneuerbarer Elektrizität erreicht werden.

Hemmnisse beim Wohnen, Perspektive Nutzer/innen.

Abbildung Hemmnisse Wohnen anschauen

Die Haupthemmnisse bei der Umsetzung von ressourcenschonendem Wohnen aus Perspektive der Nutzer/innen betrifft das Können:

Hemmnisse beim Wohnen, Perspektive Nutzer/innen

Wollen

Auf Ebene des Wollens ist bedeutsam, dass vielen Haushalten gar nicht bewusst ist, wie viel Energie sie verbrauchen und welche Bedeutung dies für die Umwelt hat. Es fehlt also das Problembewusstsein. Auch soziale Normen spielen eine wichtige Rolle: Wenn sich einzelne Mitglieder eines Haushalts nicht um das Energiesparen bemühen, wirkt dies demotivierend für alle Personen desselben Haushaltes.

Können

Die Haupthemmnisse bei der Umsetzung von ressourcenschonendem Wohnen betreffen aber das Können. Denn die grössten Hebel für ein ressourcenschonendes Wohnen sind auf Ebene der Infrastruktur anzusiedeln. Denn es sind die Gebäudeeigentümer/innen, die die Rahmenbedingungen für den Energieverbrauch der Mieterschaft schaffen: mit der Wahl der Heizsysteme, der elektrischen Anlagen und der Einrichtung, der Auswahl von Steuerungsmöglichkeiten für Licht und Heizung und dem Unterhalt der Gebäudehülle. Sind die Rahmenbedingungen gut, fällt es der Mieterschaft vergleichsweise leicht, sich energieeffizient zu verhalten. Sind die Rahmenbedingungen schlecht, können Mieter/innen ihren Energieverbrauch nur beschränkt beeinflussen. Allerdings haben Mietende auch bei ungünstiger Ausstattung ihrer Wohnungen dennoch einen gewissen Handlungsspielraum: Sie können sich beispielsweise mittels der Nebenkostenabrechnung oder durch elektronische Feedbacksysteme über den Energieverbrauch ihrer Mietwohnung informieren und aus den verschiedenen in einer Stadt angebotenen Strom- und Gasprodukten ein umweltfreundlicheres auswählen.

Tun

Auch das Energieverbrauchsverhalten beim Wohnen ist stark von Gewohnheiten geprägt, die das Tun beeinflussen. So machen oftmals Gewohnheiten wie gekippte Fenster andere Bemühungen zum Energiesparen zunichte. Diese Gewohnheiten zu überwinden, ist eine grosse Herausforderung, die es auf der Stufe des Tuns zu überwinden gilt.